In der Passionszeit kommt uns eine ganze Reihe von Gestalten der Bibel besonders nah, die Jesus auf seinem Weg begleitet haben. Der berühmteste (vielleicht neben Petrus) ist sicherlich Judas. Judaskuss und Judaslohn - das sind über die Jahrhunderte sprichwörtliche Wendungen geblieben. Jedoch wissen wir von diesem Mann letztlich sehr wenig. Und das wenige, was die Evangelien erzählen, bleibt widersprüchlich und verwirrend.

Klar ist: Jesus selbst hat ihn zum Jünger erwählt. Doch schon sein Nachname bleibt unklar: Judas Iskariot. Das könnte aus dem Hebräischen übersetzt "Mann aus Kariot" bedeuten oder - vom lateinischen ,sica' (Dolch) her - auf einen besonders militanten Arm einer Gruppe Aufständischer verweisen, die gegen die Römer vorgingen. Auch über Judas' Ende gibt es widersprüchliche Erzählungen. Bei Matthäus: Selbstmord! In der Apostelgeschichte: Ein schrecklicher Unfall. Bei den Übrigen: keine Information.

Klar ist wiederum, dass Judas Jesus verraten und an die Soldaten des Hohenpriesters ausgeliefert hat. Doch über seine Motive dafür können wir heute wiederum nur spekulieren. Ob die Sache mit Jesus nicht mehr so lief, wie er sich das mit Gottes Reich dachte - oder ob anderes mitspielte, ist nicht mehr zu sagen.

Das liegt vor allem auch daran, dass die Evangelien uns ja keinen Polizeibericht überliefern, sondern Glaubensgeschichten. Ein Indiz dafür ist schon, dass ganz häufig auch da, wo von Judas die Rede ist, immer wieder und ganz vielfältig die jüdische Bibel zitiert wird.

In der Figur des Judas verbinden und verdichten sich also alte jüdische Glaubensgeschichte und früheste christliche Glaubenserfahrung aufs engste. Und zu dieser gemeinsamen Glaubenserfahrung gehört - wohl bis heute - auch die Erfahrung des Verrates.

Jahrhunderte lang allerdings wurde diese Gemeinsamkeit verleugnet und der Verräter Judas zur reinen Negativfigur und zum Inbegriff des Volkes, ,das unsern Herrn Jesus umgebracht hat'. Bis sich im Dritten Reich manche Christen sogar verstiegen, den Juden Judas zu trennen von Jesus, der als Galiläer keinesfalls Jude gewesen sei. Solche Verdrehungen unterstützten das antisemitische Klima und trugen schließlich bei zum tiefsten Verrat an unseren jüdischen Geschwistern, der dem Morden der Nazis nichts entgegenzusetzen hatte.

Aus dem Erschrecken über solche Verstrickung in schlimmste Geschichte erwuchs in den vergangenen Jahrzehnten ein neuer Blick auf Judas. War es im Amerika der 70er Jahre das Musical ,Jesus Christ Superstar', das Jesus und Judas durchgängig als die zwei Gegenpole der Geschichte beschreibt, so wurde bei uns vor allem das Buch ,Der Fall Judas' von Walter Jens berühmt.

Bei den verschiedenen neuen Judas- Bildern, die da gemalt wurden, spielte unter anderem eine Frage eine besondere Rolle: Angesichts dessen, dass nicht nur Jesus schon vorher sagt, dass er verraten wird und die Evangelien ausdrücklich festhalten, dass dies nach Gottes Plan geschieht: hätte Judas sich überhaupt anders entscheiden können? Oder brauchte Gott ihn nicht für seinen Plan?

Spannende Fragen - auf die es bis heute keine kurzen Antworten gibt. Gerade deshalb ist es lohnend, sich in der Passionszeit wieder einmal mit dieser zentralen Gestalt der Passionsgeschichte und unserer eigenen Glaubensgeschichte zu befassen.

Termine

19 Jul
Tai Chi
Datum Freitag, 19. Juli 2019 10:00 - 11:00
23 Jul
Meerbuscher Tafel
Datum Dienstag, 23. Juli 2019 11:30 - 14:00
26 Jul
Tai Chi
Datum Freitag, 26. Juli 2019 10:00 - 11:00
30 Jul
Meerbuscher Tafel
Datum Dienstag, 30. Juli 2019 11:30 - 14:00
2 Aug
Tai Chi
Datum Freitag, 02. August 2019 10:00 - 11:00

Tageslosung

Tageslosung vom 18.07.2019
Der HERR ist geduldig und von großer Kraft, doch ungestraft lässt er niemanden.
Erachtet die Geduld unseres Herrn für eure Rettung.