Er war dabei. Eigentlich von Anfang an. Er hat Maria beschützt und für ihren Sohn gesorgt. Und doch ist er nur eine Randfigur. Die Rede ist von Josef, dem Mann der Maria.

Für die meisten Menschen ist Josef immer nur eine unbedeutende Nebenfigur. Dabei lohnt es sich, Josef genauer anzusehen. Wir wissen wenig über ihn, doch das Wenige ist höchst interessant. Josef war ein Zimmermann aus Nazareth und ein Nachkomme König Davids, der 1000 v. Chr. der bedeutendste Herrscher Israels gewesen war. Verlobt war Josef mit Maria, einer jungen Frau aus Nazareth. Soweit die allgemeinen Aussagen zu Josef. Auf den bildlichen Darstellungen der sog. Heiligen Familie wird Josef meist als ein alter Mann dargestellt. In der Bibel gibt es keine Angaben über das Alter von Josef und Maria. Deshalb ist es anzunehmen, dass beide im heiratsüblichen Alter waren: Josef zwischen 18 und 24 Jahren und Maria zwischen 12 und 14 Jahren.

Als Zimmermann war Josef in ganz Israel unterwegs. Holz war selten und teuer in Israel. Handwerker, die mit Holz umgehen konnten, waren daher ebenso rar wie gefragt. Josef konnte Wagen bauen und Ackergeräte anfertigen, Tische tischlern und Häuser bauen.

Er hatte schon die Wiege für seinen ersten Sohn gebaut, als der Befehl des Augustus ihn zwang, in seine Geburtsstadt Bethlehem zu gehen und sich dort registrieren zu lassen. So sollten die Familien-Besitzverhältnisse entwirrt werden. Für Josef und seine Nachkommen war das eine gefährliche Sache. Nachkommen Davids waren den Römern ebenso unheimlich wie dem jüdischen König Herodes.

Im Neuen Testament wird Jesus „der Sohn des Josef“ genannt (Joh.1,45,) Im Stammbaum bei Lukas heißt es: „Jesus...wurde gehalten für einen Sohn Josefs“ (13,23). Und auch im Stammbaum, den Matthäus überliefert, heißt die Formulierung: „Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus“ (1,16). Auch für die Bewohner in Nazareth war Jesus der Sohn des Josef.

Er hatte übrigens mehrere Kinder (Mk.6,3): Fünf Söhne und einige Töchter. Mit einem Bruder Jesu, Jakobus, hat sich Paulus später heftig gestritten (Apg.15).

In den Evangelien lesen wir davon, dass das Verhältnis zwischen Jesus und seiner Familie gespannt gewesen sei (z.B.Mk 3,21).

Nach Matthäus hat Josef entscheidenden Anteil am Leben Jesu. Gott führt Josef durch Träume. So bestätigt er die Aussagen Marias zu ihrer Schwangerschaft (Mt. 1,20) und rettet ihnen das Leben durch die Flucht nach Ägypten (Mt.3,13-15).

Er war ein frommer Jude. So brachte er seinen Sohn am achten Tag nach der Geburt in den Tempel zur Beschneidung und wunderte sich über die Verheißung, die Simeon über seinen Sohn Jesus ausspricht (Lk.2,33). Wie alle frommen Juden ging er jährlich nach Jerusalem zum Passafest (Lk.2,41).

Mit dem späteren Dogma von der Jungfrauenschaft Marias und der Empfängnis durch den Heiligen Geist wurde aus Josef ein alter Mann gemacht. Indem man ihn so zeichnete und ihn für zeugungsunfähig erklärte, wurde er damit als Vater Jesu ausgeschlossen. Das Bekenntnis zur Jungfrauenschaft aber will eine Aussage zum Verhältnis zwischen Jesus und Gott machen. Es ist keine biologische, sondern eine theologische Aussage. Der Gott Israels ist mit Jesus eins geworden. Jesus kommt von Gott her. Und Josef war der Vater, der für Jesus sorgte, ihn zum Zimmermann ausbildete.